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Kopfschmerzbehandlung Teil 1 |
Eine erfolgreiche Kopfschmerzbehandlung
setzt zunächst eine genaue Diagnose voraus. Wichtig
ist auch die Frage nach bisherigen erfolglosen
Therapieversuchen. Der Patient ist zu Recht enttäuscht, wenn ihm eine Kopfschmerzbehandlung, die
ihm bisher keine Erleichterung brachte, noch einmal angeboten wird.
Erfolg
oder Mißerfolg einer Kopfschmerzbehandlung
wird, besonders bei
Prophylaxeversuchen (= Versuche zur
Vorbeugung),
erst durch Dokumentation aller Kopfschmerzereignisse über einen längeren
Zeitraum (Kop fschmerz -Tagebuch) beurteilbar.
Kopfschmerzen werden in drei Hauptgruppen eingeteilt:
1. Primäre Kop fschmerzen:
Dieser Begriff bezeichnet Kop fschmerzen, die nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare
organische oder psychische Grundkrankheit zurückzuführen sind. Sie gelten als
eigenständige Schmerzkrankheiten, die im Gegensatz zu den symptomatischen (=
als Folge einer bekannten Krankheit auftretender) Kop fschmerzen nicht kausal (= ursächlich,
gegen die Grundkrankheit gerichtet) behandelt werden können (Soyka
1989).
1.1
Migräne:
Bei der M igräne
treten in typischer Weise anfallsartige, bevorzugt
Halbseitenkopfschmerzen (Hemikranie)
auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und
Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Seh- und Nervenstörungen kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als
pulsierend, pochend und hämmernd angegeben.
Kopfschmerzbehandlung bei M igräne:
Zunächst muß der Patient eingehend über die
Migränerkrankung
aufgeklärt und über die Möglichkeiten zur Behandlung informiert werden. Auf
anamnestisch (= aus der Vorgeschichte)
eruierte auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders
eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich,
so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst
Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von
Streß.
:Kopfschmerzbehandlung im akuten Migräneanfall
Die therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
ist bei bereits voll entwickelten
Kopfschmerzanfall wenig hilfreich. Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung
die Symptomatik in vielen Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals
Analgetika (= Schmerzmi ttel) gar
nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die Ner ven
supraorbitales (= Ner ven an der
Augenbraue) (je ca. 0,5ml), occipitales major (= Ner ven am Hinterkop f)
(je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die Schläfenregion
beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die M igränefop fschmerzen meist nur einseitig auftreten, hat es sich bewährt,
diese Behandlung nicht nur auf die aktuell betroffene Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn heftige Mig ränekopfschmerzen gehäuft (mehrmals pro Woche) auftreten, sind im Rahmen einer
stationären Schmerztherapie schmerzseitige Blockaden
(= Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Arten die Kop fschmerzen in einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender M igräneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation (= Anzeige) zur
stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B.
Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen bei
Migräneanfälle
bestehen in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Migräneprophylaxe (= vorbeugende
Behandlung):
Nicht immer sind die Patienten bereit, auch im schmerzfreien Intervall
konsequent Medikamente einzunehmen, so daß oftmals eine ausführliche Aufklärung
erforderlich ist. Eine
Migränevorbeugung sollte nur dann erfolgen, wenn die
Migräneattacken
mindestens zwei mal pro Monat auftreten. Nach Göbel und Soyka
(1994) ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens
zweimal ein Status migraenosus, eine prolongierte (=
verlängerte) Aura oder einmalig ein migränöser
Hirninfarkt (=
Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel)
aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen M igräne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die M igräne.
Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener 1989); beide
Substanzen werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche Höchstdosierung
für Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol (z.B. Dociton®)
240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf betreffende) Störungen
oder einer Bradykardie (=
zu langsamer Puls) muß die Kopfschmerzbehandlung
abgebrochen werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen daher
regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die
Wirkungsweise der Beta-Blocker in Bezug auf M igränkop fschmerzen ist noch nicht sicher bekannt.
Zur intervallmäßigen Kopfschmerzbehandlung eignen sich
bei M igräne
auch Kalzium-Antagonisten (=
ein Mittel das der Wirkung von Kalzium entgegenwirkt). Flunarizin (Sibelium®)
sollte aufgrund einer Bewertung durch das Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten
eingesetzt werden, die unter häufigen und schweren M igräneanfällen leiden und bei denen eine Kopfschmerzbehandlung mit Beta-Blockern kontraindiziert (= gegenangezeigt) ist
bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat (Natil®) zur Prophylaxe nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) bei M igränekop fschmerzen besteht in der Behandlung mit Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon Serotonin
entgegenwirken). Pizotifen
(Sandomigran®) hat einen hemmenden Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im
Anfangsstadium der M igräne.
Lisurid (Cuvalit®), ein Ergotamin-Derivat, ist ein Serotonin
-Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu anderen
Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns kaum verwendet, da
bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
Zur
Mig räneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung) bei der sog. menstruellen (=
regelbedingten) M igräne
soll Sulpirid (Dogmatil®) hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und
Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg
Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Vorbeugung
von M igränekop fschmerzen umstritten. So wird es z.B. in anglo-amerikanischen Ländern
dafür nicht verwendet.
Zur M igränevorbeugung
soll auch das Antiepileptikum (= Mittel gegen die Fallsucht)
Gabapentin (Neurontin®) eingesetzt werden können.
Wenn die Anfälle gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche) auftreten und andere
vorbeugende Medikamente (z.B. Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach unserer
Erfahrung zur Kopfschmerzbehandlung auch die therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x täglich
konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann, Schmerzklinik
Bad Mergentheim 1990). Dabei betäuben wir, wie zur Akutbehandlung
schon beschrieben, die das Kranium (=
den knöchernen Schädel) versorgenden Ner ven
an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird diese Kopfschmerzbehandlung durch tiefe
Infiltration der oft verspannten, an die Halswir belsäule
angrenzenden Mus kulatur.
Die Wirkungsweise dieser Kopfschmerzbehandlung ist bei M igräne
(noch) nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden
neurovegetativen Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain
das langwirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain
verwendet wird.
Ergänzende Methoden zur Kopfschmerzbehandlung bei M igräne:
Meist werden die folgenden Methoden ergänzend eingesetzt, d.h. als
Monotherapie (= alleinige Behandlung) ist
die Wirkung in der M igräne
-Kopfschmerzbehandlung in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen Indikationen für die Akupunktur
sind Migränekop fschmerzen. Es dominieren Nadelpunkte auf dem
Gallenblasen-Meridian, so z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das
Lenkergefäß 25 in der Mitte der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986). Es
sei darauf hingewiesen, daß auch für die Behandlung der M igräne
mit Akupunktur (noch) keine wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise
vorliegen.
Die transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) kann bei M igränkop fschmerzen, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer Attacke
durchgeführt wird, durchaus eine Linderung der Beschwerden herbeiführen,
manchmal sogar den Ausbruch einer Attacke verhindern.
Bei vielen Migränepatienten fällt auf, daß auch im schmerzfreien Intervall
die an die Halswir belsäule
angrenzende Mus kulatur,
teilweise auch die Schultermus kulatur
verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von physikalischen
Behandlungen (Fango, Massagen, Kältebehandlung) und Krankengymnastik als ergänzende
Kopfschmerzbehandlung bewährt. Manchmal kann auch durch eine manuelle
Lymphdrainage im Kop f-/Halsbereich
eine deutliche Linderung der
Migränkopfschmerzen erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei M igräne
auch die Hydrotherapie in Form von Wechselbädern der Extremitäten und/
oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende positive
Effekt auf einer neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines ganzheitlichen
Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich auch
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale). Auch
psychologischen
Interventionen können M igräne-
Kop fschmerzen lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken,
Streß- und
Schmerzbewältigungstraining.
1.2
Cluster-Kopfschmerzen:
Hauptsymptom (= vorherrschendes Krankheitszeichen)
ist der streng einseitig, in aller Regel periorbital (=
um das Auge herum) oder frontotemporal (=
Sti
rn-/Schläfenbereich
betreffend) in Attacken und vorwiegend nachts auftretende Schmerz von
unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen
Stunden.
Therapie bei
Clusterkopfschmerz:
Ein statistischer Erfolgsvergleich unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird
durch die Tatsache erschwert, daß
Clusterkopfschmerzen meist schubartig verlaufen, d.h. monatelange, in
Ausnahmefällen sogar jahrelange schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese
Kopfschmerzform. Wie bei den anderen primären (=
nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende) Kop fschmerzen ist es auch bei
Clusterkopfschmerzen oftmals erforderlich, die verschiedenen
Behandlungsmöglichkeiten nacheinander auszutesten, um die optimale
herauszufinden.
Behandlung bei einer akuten
Clusterattacke:
Wegen der häufig kurzzeitigen Attackendauer kommt meist nur eine Kopfschmerzbehandlung
zur Anwendung, die innerhalb weniger Minuten wirken kann. Orale (=
Tabletten, Tropfen) und rektale (= Zäpfchen)
Verabreichung von z.B. Ergota min
ist daher nur bei längerer Anfallsdauer sinnvoll. Die Einatmung von reinem Sauerstoff
über Maske ist eine bewährte Behandlung zur Kupierung des Anfalls. Die
Verabreichung über eine Nasensonde ist meist nicht ausreichend. Diese Methode
hat den Vorteil, daß entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch auf Kosten
der Krankenkassen verordnet werden können.
Im Gegensatz zur akuten
Migräneattacke
sprechen akute Clust erkop fschmerzen in der Regel auf therapeutische
Lokalanästhesie (= Behandlun g mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
an. Bewährt hat sich die Betäubung der schmerzseitigen Ner ven
supraorbitalis (ca. 1 ml), supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen
Austrittspunkt, und die großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten
Schmerzareals im Stirn- /Schläfenbereich. Bei Schmerzausstrahlungen in den Oberk iefer
muß der Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel) der
ersten Wahl ist bei uns das langwirkende Bupivacain 0,5% (z.B. Carbostesin®).
In hartnäckigen Fällen führen wir diese Kopfschmerzbehandlung
mit gutem Erfolg konsequent 2 bis 3 mal täglich durch, auch an Wochenenden, was
jedoch nur unter stationären Bedingungen durchführbar ist. Auch wiederholte
Stellatumblockade
n (= Blockade einer vegetative Schaltstelle im
seitlichen Halsbereich)
oder Blockaden des Ganglion cervicale superior (= vegetative
Schaltstelle im Rachenbereich), auch des
Ganglion stellatum (=
vegetative Schaltstelle im unteren Halsbereich), mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel können beim
Clusterkop fschmerz sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird auch eine nasale Instillation (=
in die Nase eingebracht) von 1 ml 4%iges Lidocain (Xylocain®)
(= ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
bei 45 Grad rekliniertem und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem Kop f (Pfaffenrath
1988).
Wirksam ist bei Clust erkop fschmerzen auch Ergota min.
Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ergotaminbedingte
Dauerkopfschmerzen
ausbilden können. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®).
Das
Migränemittel Sumatriptan (Imigran®, bzw. auch andere
Triptane) ist auch bei Clust erkop fschmerzen sehr wirksam, insbesondere unter die Haut gespritzt
(6 mg) (auch mit Autoinjektor vom Patienten selbst injizierbar), ansonsten 100mg
oral (= durch den Mund). Bei
Wiederauftreten von Schmerzen maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger
wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei
Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und
Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993).
Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane)
allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten
Erfolg bringen.
Hier gelangen Sie zur Fortsetzung (Teil 2): www.zephalgie.de/kopfschmerzbehandlung/kopfschmerzbehandlung (einfach anklicken)
Aktualisiert: 29.03.2006
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